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Zur Ruhe kommen

Autorenbild: lebenerlauben
lebenerlauben
12. Okt.
3 Min. Lesezeit

Was, wenn unsere ganz eigene persönliche, individuelle Ruhe eine oberste Priorität in unserem Leben wäre? Mit fixem Eintrag im Terminkalender. Noch vor Arbeitspensum, Familie, Einkauf, Rundherum-Aktivität. Klingt seltsam?


  • Zeit, um Erlebtes nachwirken zu lassen. Manche nennen das Nervensystem-Regulation

  • Zeit, um darüber nachzudenken, wo ich im Leben stehe 

  • … und wo ich sein möchte. Wer ich eigentlich bin.

  • Zeit zum Nichtstun. Wie geht das eigentlich? Tu ich was, wenn ich nichts mache?


Manche nennen es Meditation, andere Innehalten. Beten käme mir noch als Begriff in den Sinn, aber in seiner oft zielgerichteten Art, trifft es nicht so ganz den Punkt, und mit dem an ein Außen wenden habe ich so meine Zweifel. Manche legen sich einfach hin und schalten ab. Oder was ein, das sie ablenken soll. Was auch immer: Zeit für unproduktives Dasein muss sein. Muße muss sein. Wenn wir bei uns bleiben und dann wieder wirksam sein wollen.

Zu mir kommen. Mir tun dabei Bäume gut.
Zu mir kommen. Mir tun dabei Bäume gut.

Ich hatte gerade ein intensives Wochenende. Und intensive Wochen und Monate sowieso auch, mit dieser Neuorientierung und dem Aufbau meiner Idee, ersten Schritten, immer wieder vergewissern, reinstürzen, neu ausrichten. Altlasten auftauchen, dasein und gehen lassen - davon gab es auch einige. Und jetzt habe ich mir heute Zeit für mich verordnet, alles abgesagt, was nicht reinpasst. Ich will heute mit mir wieder bei mir ankommen. Da hilft es mir auch, mich auszudrücken. Schreiben, zum Beispiel. Einmal mehr.

Da sind Gefühle von Angst, Erinnerungen an Verlassenwerden, nicht richtig zu sein, anders sein zu sollen. Das hat mit der konkreten aktuellen Situation zwar zu tun, die Reaktion gilt aber einer tiefen, alten Wunde. Gleichzeitig die Gewissheit, dass ich nur so sein kann, wie ich bin. Und das genug ist. In Wellen wechseln sich die Wahrnehmungen ab, ich schluchze, bin traurig, wütend, ganz zusammengezogen, unter die Decke gekuschelt. Bis es warm wird, sich Wohligkeit ausbreitet, ich aufstehen kann und was essen, aufräumen, wegräumen. Was nicht mehr gebraucht wird, abgelaufen ist. Kerzenreste in diesem Fall, meine Taufkerze ist niedergebrannt. Und Glaubenssätze.

Was, wenn wir als Gesellschaft lernen würden, ein „geht-gerade-nicht“ zu akzeptieren? Wenn die Geschenke aus diesen Loslass-Prozessen uns allen zugute kommen und zu mehr Frieden, Zufriedenheit, Gerechtigkeit führen würden? In uns, um uns und zwischen uns allen. 


In einer Aufstellung mit jungen Menschen hat sich vor kurzem eines gezeigt: Solange der Druck alles fest im Griff hat, sitzen Macht und Kapitalismus sicher und fest im Sattel. Mit allen Folgeerscheinungen. Offenheit und Vertrauen sind auf der anderen Seite ganz klein. Erst als der Mut dazu kommt, wird die Macht hellhörig: Aha… jetzt kann ich euch ernst nehmen, hören. Dass sich die Politik, nachdem sich die längste Zeit vom Sofa aus zugesehen hatte, eher auf die Seite von Macht und System stellte, war ein Tiefschlag für Vertrauen und Offenheit. Vielleicht stehen wir an diesem Punkt gerade jetzt. 

Aus dem Abschlussbild kann ich noch verraten, dass sich Druck und System klaglos verabschieden konnten, als ihre Zeit vorbei war. Macht und Politik wurden von den anderen Dreien in die Mitte genommen und passten von selbst ihre zuvor aufgeblasene Präsenz an, indem sie sich gemütlich hinsetzten. Als Werkzeug für das gute Leben, nicht als Selbstzweck.


In mir werkt die aktuelle Umstellung wallend weiter, während ich das hier schreibe. Und ich freue mich ungemein darauf, mit lebenerlauben und meiner systemischen Zukunftswerkstatt an den Start zu gehen, vor allem mit jungen Menschen. Gemeinsam spüren wir dem Leben nach, lernen Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und auch dem Dazwischen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Weil wir das brauchen, alle miteinander. Und die Jugend die Zukunft ist.

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